Die Messe in ihren Riten
                erklärt




7. Kapitel: DER ORDO MISSÆ

Geschichtlich betrachtet ist die eigentliche und ursprüngliche Form der hl. Messe die vom Papst oder einem Bischof zelebrierte feierliche Pontifikalmesse. Die Entwicklung zu einfacheren liturgischen Formen kam später, als die römische Liturgie sich auszubreiten begann und Anpassungen an einfachere Verhältnisse notwendig wurden. Dabei ist es bemerkenswert, dass bis hin zur sog. ‚stillen Messe‘ die wesentlichen Strukturen, wenn auch in vereinfachter Form, immer beibehalten wurden.

Die heutige Praxis beschreitet allerdings den umgekehrten Weg. Ausgehend von einer möglichst würdigen Zelebration einfacher Formen der hl. Messe, sucht sie den notwendigen Rahmen zu schaffen, damit die Liturgie vor allem zu den hohen Festen ihren ganzen Reichtum entfalten kann, angefangen vom gesungenen Amt über das levitierte Hochamt bis hin zum feierlichen Pontifikalamt.

Bei aller Vielfalt ist es ein starker Ausdruck von Einheit, dass all diesen möglichen Formen eine feste und immer gleich bleibende Ordnung zugrunde liegt. Wer sich einmal mit dem ORDO MISSÆ, der Messordnung, vertraut gemacht hat, wird sich in allen mehr oder weniger feierlichen Formen der Messe leicht zurecht finden.

Auch heute noch beansprucht die kirchliche Autorität das alleinige Recht, die Liturgie zu ordnen. Sowohl im letzten Konzil als auch im kirchlichen Gesetzbuch werden die Priester eindringlich gemahnt, sich bei der Feier der Liturgie genau an die amtlichen liturgischen Bücher zu halten: „Deshalb darf niemand dabei eigenmächtig etwas hinzufügen, weglassen oder ändern“ (Canon 846 § 1 CIC), „auch wenn er Priester wäre“ (SC 22 § 3). Im ‚Direktorium für Dienst und Leben der Priester‘ der Kongregation für den Klerus vom 31. Januar 1994 wird betont, dass die Gläubigen „ein wahres Recht“ darauf haben, „an liturgischen Feiern so teilzunehmen wie sie die Kirche will und nicht nach dem persönlichen Geschmack des einzelnen Amtsträgers“ (Nr. 64). In der Instruktion ‚Redemptionis Sacramentum‘ der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 25. März 2004 heißt es: „Alle Christgläubigen haben das Recht auf eine wahre Liturgie und besonders auf eine Feier der heiligen Messe, wie sie die Kirche gewollt und festgesetzt hat, wie es also in den liturgischen Büchern und durch andere Gesetze und Normen vorgeschrieben ist. In gleicher Weise hat das katholische Volk das Recht, dass das Opfer der heiligen Messe unversehrt und in voller Übereinstimmung mit den Äußerungen des Lehramtes der Kirche gefeiert wird.“ (Nr. 12)


ORDO MISSÆ - Aufbau der hl. Messe

1. Hauptteil: Vormesse
1. Einzug und Stufengebet
2. Introitus
3. Kyrie
4. Gloria
5. Oration
6. Lesung
7. Graduale/Alleluja/Tractus
8. Evangelium
9. Predigt (je nach Anlass)
10. Credo (gewöhnlich an Tagen 1. & 2. Klasse)

2. Hauptteil: Opfermesse
1) Opferung
1. Dominus vobiscum
2. Opferung des Brotes
3. Opferung des Weines
4. Lavabo
5. Orate fratres/Suscipiat
6. Secret
2) Wandlung
1. Präfation
2. Sanctus
3. Gebete vor der Wandlung
4. Heilige Wandlung
5. Gebete nach der Wandlung
6. Per ipsum
7. Pater noster
3) Kommunion
1. Brechung der hl. Hostie und Pax
2. Agnus Dei
3. Friedensgebet und Kommuniongebete
4. Kommunion des Priesters
5. Kommunion des Volkes
6. Purifikation un Ablution

3. Hauptteil: Nachmesse
1. Communio
2. Postcommunio
3. Ite Missa est
4. Segen
5. Schlussevangelium


= Eingangsvers


= Tagesgebet

= Zwischengesang


= Glaubensbekenntnis






= Händewaschung



















= Kommunionvers
= Schlussgebet


Wie demgegenüber vielfach die liturgische Realität aussieht, brauchen wir hier nicht zu kommentieren. Immerhin stellt dieselbe Instruktion fest, man könne nicht verschweigen, „dass es Missbräuche, auch sehr schwerwiegender Art, gegen das Wesen der Liturgie und der Sakramente sowie gegen die Tradition und die Autorität der Kirche gibt“ (Nr. 4).

Die hl. Messe im überlieferten Ritus ist klar gegliedert in drei Hauptteile, wie es die Übersicht auf der vorhergehenden Seite veranschaulicht. Dieser Ordnung werden wir nun folgen, um Schritt für Schritt die darin verborgenen Reichtümer zu erläutern und den Sinn für ihre zeitlose Schönheit zu wecken.

Vielleicht mag es in einer sehr kurzlebigen und nach immer neuen Abwechslungen haschenden Zeit ungewohnt erscheinen, am Altar Tag für Tag der gleichen Ordnung zu folgen. Wer sich aber auf die Logik ständiger Abwechslung einlässt, gerät bald in den Zwang, kreativ sein und immer Neues ‚bieten‘ zu müssen. Wir sind überzeugt, dass auch der heutige Mensch sich im Grunde nach einer festen Ordnung sehnt und inmitten des ständigen Wandels gerade in dieser Form der Liturgie einen sicheren Halt, eine Quelle inneren Friedens und ein Stück geistige Heimat finden kann.

Neben den immer gleich bleibenden Teilen der hl. Messe gibt es einige Elemente, die sich je nach dem liturgischen Tag oder Festgeheimnis ändern, wie es die folgende Übersicht veranschaulicht.


Veränderliche Teile des ORDO MISSÆ

1. Introitus
2. Oration
3. Lesung
4. Graduale / Tractus / Alleluja
5. Evangelium
6. Offertorium
7. Secret
8. Präfation
9. Communio
10. Postcommunio
= Eingangsvers
= Tagesgebet

= Zwischengesang

= Opferungsvers
= Stillgebet

= Kommunionvers
= Schlussgebet

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