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12. Kapitel: DIE NACHMESSE
Der Schlussteil der hl. Messe gleicht deutlich der Vormesse:
- In der Nachmesse wird wieder laut gebetet.
- Der Kelch ist wieder mit dem Velum bedeckt.
- Das Messbuch steht wieder auf der Epistelseite.
Auch die Gebete der Vor- und Nachmesse entsprechen einander:
- Introitus - Communio
- Oratio - Postcommunio
- Evangelium - Schlussevangelium
- Der Altarkuss zu Beginn und am Ende der Messe wird
ganz ähnlich vollzogen und ist jeweils von einem stillen
Gebet begleitet: Oramus te und Placeat tibi.
So erhält die ganze Messe eine schöne Ordnung und Symmetrie.
Opfermesse
[Opferung / Wandlung / Kommunion] |
| Vormesse |
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Nachmesse
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Communio
Communio und Postcommunio gehören zu den
jeweils wechselnden Eigenteilen der Messe. Ursprünglich war
die Communio ein Psalmengesang. Ähnlich wie der Introitus
den Einzug zum Altar, so begleitete die Communio die
Spendung der hl. Kommunion. Heute ist davon nur noch eine
kurze Antiphon geblieben. Gewöhnlich steht die Communio in
einer gewissen Beziehung zum Tagesgedanken.
Postcommunio
Gegenstand der Postcommunio ist meistens die Bitte,
das Sakrament möge zur vollen Auswirkung kommen. So beten
wir beispielsweise am zweiten Adventssonntag: „Gesättigt
durch den Genuss der Seelenspeise, bitten wir Dich
flehentlich, o Herr: Lehre uns durch die Teilnahme an
diesem Geheimnis das Irdische verachten und das Himmlische
lieben.“
Ite missa est
In der frühen Kirche und vor allem in Zeiten der Verfolgung
beobachteten die Christen eine strikte Arkandisziplin
[von arcanus = heimlich]. Die Katechumenen
[= Taufbewerber] wurden langsam und schrittweise in die
Geheimnisse des Glaubens eingeführt und mit den
gottesdienstlichen Riten vertraut gemacht. Vor den Heiden
aber schwieg man über die christliche Lehre und den
Gottesdienst, um das Heilige zu schützen und es nicht der
Gefahr der Profanierung auszusetzen. Dabei dachte man an die
Mahnung Jesu: „Gebt das Heilige nicht den Hunden und
werft eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie nicht
diese zertreten unter ihren Füßen und sich umwenden und
euch zerreißen.“ (Mt 7, 6) Zu diesem Zweck verwendete
man gleichsam eine Geheimsprache und erfand einfache
Symbole, die nur den Gläubigen verständlich waren und mit
deren Hilfe sie sich gegenseitig erkennen konnten.
Eines der bedeutsamsten frühchristlichen Symbole ist der
Fisch: Er wird im Wasser geboren, wie auch der Christ im
Wasser der Taufe geboren wird. Ein gesunder Fisch kann im
Salzwasser leben, ohne selbst salzig zu werden, wie auch ein
‚gesunder‘ Christ den ‚Geschmack‘ der Welt nicht annimmt.
Schließlich stehen die einzelnen Buchstaben des griechischen
Wortes ‚ichthys‘ [= Fisch] für ein kurzes
Glaubensbekenntnis: „Jesus Christus, Gottes
Sohn, Erlöser.“
Im Kontext dieser Arkandisziplin steht auch der Begriff ‚Messe‘.
Er ist dem Entlassungsruf „Ite, missa est“
entnommen. „Ite“ [von ire = gehen] bedeutet:
„Gehet hin!“ Das ‚missa est‘ ist verwandt mit
‚missio‘ [= Sendung] und würde wörtlich
übersetzt bedeuten: „Es ist gesandt worden.“ Nur
Eingeweihte sollten verstehen, was damit gemeint war, wenn
die Christen von der ‚missa‘ sprachen.
Gewöhnlich wird das „Ite missa est“ gedeutet als
Hinweis auf die apostolische Sendung der Kirche: „Gehet
hin, ihr seid gesendet!“ Ihr wurdet erleuchtet vom
göttlichen Licht und gestärkt mit dem Brot des Lebens. „Verkündet
das
Evangelium aller Kreatur!“ (Mk 16, 15) Geht hin, in
eure Familien, an den Arbeitsplatz, in die Schulen und
Universitäten!
Nicht ihr sollt euch der Welt anpassen: „Macht euch
nicht die Art dieser Welt zu eigen, sondern wandelt euch
um durch Erneuerung eures Denkens, um zu prüfen, was der
Wille Gottes ist, was gut, wohlgefällig und vollkommen.“
(Röm 12, 2)
Geht vielmehr hin, damit die Welt durch euch gewandelt
werde: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz schal
geworden ist, womit soll man es salzen? Es taugt zu nichts
weiter, als dass es hinausgeworfen und zertreten wird von
den Menschen. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine
Stadt nicht verborgen bleiben, die droben liegt auf dem
Berge. Auch zündet man nicht eine Lampe an und stellt sie
unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit sie
allen leuchte, die im Hause sind. So leuchte euer Licht
vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und
euren Vater preisen, der im Himmel ist.“ (Mt 5, 13-16)
Eine ungewohnte, aber schöne Deutung gibt der hl. Thomas von
Aquin über das „Ite missa est“ [vgl. S. th. III,83,4
ad 9]. In den Worten „Es ist gesandt worden“ sieht
er einen Hinweis darauf, dass in der Messe unser Gebet und
Opfer zu Gott emporgesandt und Christus als Opfergabe zu uns
hinabgesandt worden ist, worauf die Gläubigen antworten: „Deo
gratias! - Dank sei Gott!“
Segen
Vor dem Segen verbeugt sich der Priester tief, legt die
gefalteten Hände auf den Altar und spricht leise das Placeat
tibi,
sancta Trinitas: „Es möge Dir wohlgefallen, heilige
Dreifaltigkeit, die Huldigung meines Dienstes. Gewähre,
dass das Opfer, das ich Unwürdiger vor den Augen Deiner
Majestät dargebracht habe, Dir angenehm sei und mir und
allen, für die ich es dargebracht habe, durch Dein
Erbarmen zur Versöhnung gereiche.“
Dann küsst er den Altar, erhebt Augen und Hände, vereinigt
beide Hände, wendet sich um und macht mit der rechten Hand
ein Kreuzzeichen über das Volk. Durch diesen Gestus wird
angedeutet, dass aller Segen von oben kommt: „Jede gute
Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom
Vater der Lichter, bei dem kein Wechsel ist oder ein
Schatten von Veränderung.“ (Jak 1, 17)
Zeichen und Quelle allen Segens
ist das heilige Kreuz. Auch im alltäglichen Leben soll der
Christ stets mit dem Kreuz verbunden sein: „Wenn einer
mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme
täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9,
23) Den wahren Jünger Jesu erkennt man an seinem
Verhältnis zum Kreuz. Die Segensformel lautet: „Es segne
euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn † und
der Heilige Geist.“
Schon in der alttestamentlichen mosaischen Segensformel war
ein Hinweis auf die allerheiligste Dreifaltigkeit, insofern
der Herr dreimal genannt wurde: „So sollt ihr die
Israeliten segnen, indem ihr zu ihnen sprecht: ‚Der Herr
segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Antlitz
leuchten über dir und sei dir gnädig! Der Herr wende dir
sein Angesicht zu und verschaffe dir Heil!‘ So sollen sie
also meinen Namen auf die Israeliten legen und ich will
sie segnen!“ (Num 6, 23-27)
Der ganze Ritus des Schlusssegens ist ein Bild jenes Segens,
den Jesus bei seiner Himmelfahrt auf dem Ölberg den Jüngern
gab: „Dann führte er sie bis vor Bethanien hinaus, erhob
seine Hände und segnete sie. Es geschah aber, während er
sie segnete, schied er von ihnen und wurde emporgetragen
zum Himmel. Sie aber fielen anbetend vor ihm nieder und
kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück.“ (Lk 24,
50-53)
Es ist ganz angemessen, dass die Gläubigen - genau wie die
Apostel bei der Himmelfahrt - zum priesterlichen Segen
niederknien, denn Gott selbst ist es, der durch die Hand des
Priesters segnet.
Im Kontext der Himmelfahrt Jesu steht auch die Erinnerung an
die Wiederkunft Christi am Jüngsten Tag, denn als die Jünger
zum Himmel hinaufsahen, sprachen die Engel zu ihnen: „Ihr
Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut zum
Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel
aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn
habt hingehen sehen zum Himmel.“ (Apg 1, 11) Wenn der
Herr einst wiederkommt zum großen Gericht, dann wird er über
die Auserwählten zu seiner Rechten den letzten großen Segen
sprechen: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters! Nehmt in
Besitz das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung
der Welt.“ (Mt 25, 34)
Schlussevangelium
Segnen kann man nicht nur mit der Hand, sondern ebenso mit
einem Kreuz oder einer Reliquie. Auch mit dem Evangelium
kann man segnen, denn „lebendig ist das Wort Gottes,
wirksam und schärfer als jedes doppelt geschliffene
Schwert; es dringt durch bis zur Trennung von Seele und
Geist, von Gelenk und Mark, und ist Richter über Gedanken
und Regungen des Herzens“ (Hebr 4, 12).
Ursprünglich hatte das Schlussevangelium vor allem
den Charakter eines Segens. Wenn der Anfang des Evangeliums
feierlich gelesen wird, dann steht der Beginn
stellvertretend für das Ganze [pars pro toto].
Deshalb ist es mancherorts Brauch, am Fronleichnamsfest an
vier Altären in die vier Himmelsrichtungen jeweils den
Anfang der vier Evangelien zu lesen.
Auch inhaltlich finden wir im Schlussevangelium einen höchst
passenden Abschluss der hl. Messe, denn es enthält eine
wunderbare Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte des
Messopfers und der wichtigsten Geheimnisse des Glaubens. Der
hl. Apostel und Evangelist Johannes wird zu Recht
dargestellt mit dem Symbol des Adlers, denn vom Adler sagt
man, er könne mit bloßem Auge in die Sonne schauen.
Tatsächlich gleicht der Beginn seines Evangeliums einem
adlerhaften Blick in die ewige Sonne der Gottheit: „Im
Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott
war das Wort.“
In der Gesamtstruktur der Messe steht das Schlussevangelium
parallel zum Stufengebet. Während dort die Bitte stand: „Sende
aus Dein Licht und Deine Wahrheit“, finden wir im
Schlussevangelium gleichsam die Antwort, denn es spricht vom
„wahren Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in
diese Welt kommt“.
Von Johannes dem Täufer heißt es: „Ein Mann ward gesandt
von Gott.“ Er sollte dem Herrn vorangehn, um ihm den
Weg zu bereiten: „Er kam als Zeuge; er sollte Zeugnis
geben vom Licht, auf dass alle durch ihn zum Glauben
gelangen.“ Weil aber die Menschen die Finsternis mehr
liebten als das Licht [vgl. Joh 3, 19], musste Johannes
dasselbe Schicksal erleiden wie vor ihm die
alttestamentlichen Propheten [vgl. Mk 6, 17-29] und wie nach
ihm Jesus, gefolgt von einer großen Schar von Blutzeugen.
Jesus „war
in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, doch die
Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigentum, doch
die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn
aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, all
denen, die an seinen Namen glaubten.“
Zu den Worten: „Und das Wort ist Fleisch geworden und
hat unter uns gewohnt“, beugt der Priester anbetend
das Knie. Wie das göttliche Wort damals in Nazareth in den
Schoß der Jungfrau Maria hinabgestiegen ist, so ist Christus
nun auf das Wort des Priesters hin auf den Altar
herabgestiegen.
Wer in rechter Weise die hl. Messe mitgefeiert hat und wem
es gelungen ist, mit gläubigem Blick ein klein wenig den
Schleier des Mysteriums zu lüften, auch der wird sagen
können: „Et vidimus gloriam eius - Wir haben seine
Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des Eingeborenen
vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit!“
„Deo gratias!“
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