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Sursum
corda
Nach der Secret, durch die zugleich die
Opferung abgeschlossen und zum Kanon übergeleitet wird, steht ein
feierlicher Wechselgruß zwischen Priester und Volk. Er beginnt mit dem
Sursum corda: „Empor die Herzen!” Dazu erhebt der Priester die Hände, „um
durch diese Gebärde den inneren Aufschwung des Gemütes und das Verlangen
nach völliger Hingabe an den Herrn kund zu machen und zu verstärken. In
dieser Bewegung der Hände spricht sich nämlich die Sehnsucht nach dem aus,
was erhaben ist über uns, d. h. nach dem Himmlischen und Ewigen.“ (Gihr S.
519)
Nach
der klassischen Definition des hl. Johannes von Damaskus ist jedes Gebet
Erhebung der Seele zu Gott [ascensio mentis in Deum]. Solch ein innerer
Aufstieg ist zu Beginn des Kanon besonders nötig, denn nur betend kann man
sich dem Heiligen nahen.
Wir
denken auch an das Wort des hl. Apostels Paulus, das uns aus der Epistel der
Osternacht vertraut ist: „Wurdet ihr also auferweckt mit Christus, so sucht,
was droben ist [quae sursum sunt quaerite], wo Christus ist, sitzend zur
Rechten Gottes! Was droben ist, habt im Sinn [quae sursum sunt sapite],
nicht das auf Erden!“ (Kol 3,1 f.)
Das
Volk antwortet: „Habemus ad Dominum. - Wir haben sie zum Herrn hin.” Dies
soll keine bloße Flalte-messel sein, sondern Wirklichkeit: „Keiner sei derart
anwesend, dass er zwar mit dem Munde sage: ‚Wir haben das Herz zum Herrn
erhoben‘, in seinen Gedanken aber den Geist bei den Sorgen dieses Lebens
habe. An Gott muss man zwar allzeit denken; wenn aber dies wegen der
menschlichen Schwachheit unmöglich ist, so muss man es sich doch ganz
besonders bei der Opferfeier eifrig angelegen sein lassen.“ (hl. Cyrill von
Jerusalem)
Gratias
agamus
Es
folgt die Aufforderung: „Gratias agamus Domino, Deo nostro. - Lasset uns
danken dem Herrn unserem Gott.“ Dazu vereint der Priester beide Hände,
erhebt kurz die Augen und macht eine tiefe Verneigung.
Die
Antwort des Volkes lautet: „Dignum et justum est. - Das ist würdig und
recht.” Daran knüpfen sich die ersten Worte der Präfation: „Vere dignum et
justum est - Es ist in Wahrheit würdig und recht, geziemend und heilsam, Dir
immer und überall zu danken, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger
Gott!”
Die
Danksagung ist dem Messopfer so wesentlich, dass das griechische Wort ‚eucharistia’
[= Danksagung] zur gebräuchlichen Bezeichnung für die Messe selbst wurde.
„Die
Heilige Schrift berichtet, dass Jesus Christus seinem himmlischen Vater
gedankt habe, bevor er Brot und Wein konsekrierte ... Wer sollte nicht auf
den ersten Blick erkennen, dass die Kirche auch hierin dem Beispiel ihres
göttlichen Herrn und Meisters folgt, indem sie dem Wandlungsakt in der
Präfation einen unvergleichlich erhabenen Dank- und Preisgesang vorangehen
lässt?“ (Gihr S. 516)
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Die
Präfation
Das
Wort ‚danken’ ist verwandt mit ‚denken’ und ‚gedenken’. Eben dazu dient die Präfation: zum dankenden Gedenken der Großtaten Gottes.
Gegen
Ende der Präfation vereint die Kirche ihren Lobgesang ganz ausdrücklich mit
dem der Engel: „Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den
Thronen und Herrschaften und mit der ganzen himmlischen Heerschar den
Hochgesang Deiner Herrlichkeit und rufen ohne Unterlass: Heilig, heilig,
heilig ...”
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Das
Sanctus
Zum
äußeren Ausdruck des Wortes ‚supplici confessione’ [= mit demütig verneigtem
Lobgesang] betet der Priester das Sanctus in verbeugter Haltung.
Es
besteht aus zwei Teilen, die genau den beiden grundlegendsten Geheimnissen
des christlichen Glaubens entsprechen: „Die erste Hälfte enthält die
Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit durch die Engel des Himmels;
die zweite Hälfte besteht aus der Begrüßung des Heilandes durch den Mund der
Gläubigen auf Erden.“ (Gihr S. 528)
• Der
erste Teil des Sanctus stammt aus der Berufungsvision des Propheten Isaias:
„Im Todesjahr des Königs Ussia sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und
erhabenen Throne, seines Gewandes Schleppen füllten den Tempel. Über ihm
schwebten Seraphim; sechs Flügel hatte ein jeder; mit zweien verhüllte er
sein Angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße, und mit zweien flog er.
Einer rief dem andern zu und sprach: ‚Heilig, heilig, heilig ist der Herr
der Heerscharen, die Fülle der ganzen Erde ist seine Herrlichkeit.‘ Vor der
Stimme des Rufenden erbebten die Pfosten der Türschwellen, und der
Tempelraum füllte sich mit Rauch.“ (Jes 6,1 - 4) Das dreimal wiederholte
Heilig deuten die Väter als Hinweis auf die drei göttlichen Personen und
somit als indirekte alttestamentliche Offenbarung der allerheiligsten
Dreifaltigkeit.
• Der
zweite Teil erinnert an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem zum
Palmsonntag: „Die Scharen, die vorausgingen und nachfolgten, riefen:
‚Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Hosanna in der Höhe!‘“ (Mt 21,9)
Einmal
klagt Jesus: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist fern
von mir.” (Mt 15,8) So war es auch am Palmsonntag, denn kaum fünf Tage
später schrien viele, die eben noch „Hosanna!” gerufen hatten: „Hinweg!
Hinweg! Kreuzige ihn!” (Joh 19,15) Dies sei uns zur Mahnung! Damit unser
„Hosanna!” stets echt sei, bitten wir mit den Worten der Oration zur
Palmweihe:
„Gib, dass Dein Volk, was es heute im Äußeren zu Deiner Verehrung
tut, auch geistig mit ganzer Hingebung vollbringe.“
Das
lateinische Wort ‚venit’ ist offen für eine zweifache Deutung. Es heißt
sowohl: „Gepriesen sei, der gekommen ist...“ [nämlich damals bei der
Menschwerdung], als auch: „Gepriesen sei, der kommt...“ [nämlich jetzt auf
den Altar].
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Die
Kanonstille
Nach
dem Sanctus beginnt der Hauptteil des Kanon in heiliger Stille.
• Die
Kanonstille hat die Funktion eines verhüllenden Schleiers zum Schutz des
Heiligen. Sie drückt Ehrfurcht und Demut aus, denn vor dem, was hier
geschieht, muss jedes menschliche Wort verstummen. Mehrfach spricht die
Schrift von einem ‚Schweigen vor Gott‘, wie etwa beim Propheten Habakuk:
„Der Herr thront in seinem heiligen Tempel; es schweige vor ihm, alle Welt!“
(Hab 2,20) Oder bei Sophonias: „Silete a facie Domini Dei. - Still vor dem
Angesicht Gottes des Herrn! Denn nahe ist der Tag des Herrn.“ (Soph 1,7;
vgl. auch Zach 2,17) Oder im Psalm: „Quiesce in Domino et exspecta eum. -
Sei still vor dem Herrn und warte auf ihn!” (Ps 37,7)
• Ein
Blick in die Heilsgeschichte zeigt, dass Gott häufig große Dinge ganz im
Verborgenen tut. In einer der erhabensten Gotteserscheinungen des Alten
Bundes offenbart er sich dem Elias im leisen, zarten Säuseln: „Der Herr
befahl: ‚Tritt hinaus und stelle dich auf dem Berg vor den Herrn hin!‘
Siehe, da zog der Herr vorüber: Ein starker mächtiger Sturm, der die Berge
zerriss und die Felsen zerbrach, ging vor dem Herrn einher, doch im Sturm
war der Herr nicht. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben, doch der Herr war nicht
im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, doch auch im Feuer war der
Herr nicht. Nach dem Feuer kam ein leises, zartes Säuseln. Elias vernahm es,
hüllte sein Gesicht in seinen Mantel, trat hinaus und stellte sich an den
Eingang der Höhle.“ (1 Kön 19,11 - 13) Im Neuen Bund vollzogen sich gerade
die Heilsmysterien der Menschwerdung, der Geburt und der Auferstehung Jesu
in tiefem Schweigen: „Als lautlose Stille alles umfing und die Nacht in
ihrem schnellen Lauf die Mitte erreichte, da sprang dein allgewaltiges Wort
vom Himmel her, vom Königsthron.“ (Weish 18,14 f.) Deshalb erscheint es
höchst angemessen, auch die kultische Vergegenwärtigung eben dieser
Mysterien in heiliges Schweigen zu hüllen. „Die heilige Stille ist ...
geeignet, die Verborgenheit und Tiefe, die Unbegreiflichkeit und
Unaussprechlichkeit der wundervollen Geheimnisse, welche auf dem Altar sich
vollziehen, anzudeuten und in Erinnerung zu bringen.“ (Gihr S. 548)
• Durch
den stillen Vollzug des Kanons wird der eigentliche eucharistische
Konsekrations- und Opferakt als ausschließlich priesterliche Handlung
gekennzeichnet, denn die sakramentale Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers
vollzieht Christus selbst durch den geweihten Priester. Darin ist ein
deutlicher Bezug zum Alten Bund: „Der Priester betritt nun allein das
Heiligtum des Kanons ... Es herrscht heiliges Schweigen; Schweigen ist eine
würdige Bereitung für die Nähe Gottes. Gleich dem Hohenpriester des Alten
Bundes, der einmal im Jahr mit dem Blut der Opfertiere allein das
Allerheiligste betreten durfte [Hebr 9,7], löst sich der Zelebrant nun vom
Volk und tritt vor den heiligen Gott hin, um ihm das Opfer darzubringen.“
(Jungmann, Missarum solemnia Bd. II S. 169)
• Die
Gläubigen lädt die Kanonstille zu Einkehr und innerem Mitvollzug, denn kraft
ihres in der Taufe erworbenen allgemeinen Priestertums sind sie befähigt,
sich auf ihre Weise innigst mit dem Priester am Altar zu vereinen.
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Die
Kreuzzeichen im Kanon
Obwohl
der römische Kanon weitgehend in Stille vollzogen wird, wirkt er doch durch
zahlreiche begleitende Gesten sehr lebendig. Besonders bedeutsam sind dabei
die vielen Kreuzzeichen. Allein schon aufgrund ihres hohen Alters verdienen
sie Ehrfurcht, denn in der Form, wie der Kanon im klassischen römischen
Ritus bis heute bewahrt wird, ist er seit weit mehr als 1000 Jahren bezeugt.
Schon in einem Brief vom 4. November 751 an den hl. Bonifatius listet Papst
Zacharias auf dessen Bitte hin alle Stellen auf, an denen ein Kreuzzeichen
zu machen sei.
Der
Ursprung dieser Kreuzzeichen lässt sich erklären aus einem stilistischen
Grundsatz der antiken Rhetorik: Damit nämlich die gepflegte Rede lebendig
wirkt, müssen Wort und Geste übereinstimmen. Deshalb wird der ‚Redner’ immer
dann, wenn er auf einen anwesenden Gegenstand zu sprechen kommt, zugleich
durch einen Gestus auf ihn hinweisen. Je näher dieser Gegenstand ist, desto
zwingender ist der Hinweis.
Auf dem
Altar sind die Opfergaben wirklich gegenwärtig. Deshalb weist der Priester,
sooft er sie nennt, darauf hin. Stilisiert wird dieser Hinweisgestus in
Kreuzesform. Als Beispiel diene die erste Kanonstrophe nach der Wandlung:
„Weil wir also eingedenk sind, Herr, wir Deine Diener, aber auch Dein
heiliges Volk, des heilbringenden Leidens, der Auferstehung von den Toten
und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus,
opfern wir Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein
reines † Opfer, ein heiliges † Opfer, ein makelloses †
Opfer: das heilige † Brot des ewigen Lebens und den Kelch †
des immerwährenden Heiles.“
Selbstverständlich ist in dieser Deutung der Kreuzzeichen ihr Sinn nicht
erschöpft. Auch der Charakter eines Segens ist keineswegs ausgeschlossen.
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Te
igitur
Schon
der erste Buchstabe des Te igitur ist bedeutungsvoll, denn seit
altchristlicher Zeit hat man im T [griechisch Tau, hebräisch
Taw] aufgrund
seiner Form ein Symbol des Kreuzes gesehen. Deshalb hatte auch der hl.
Franziskus eine besondere Vorliebe für das T. Da es im Mittelalter üblich
war, die ersten Buchstaben [= Initialen] wichtiger Texte sehr kunstvoll zu
gestalten, lag es den Buchmalern nahe, aus diesem T wirklich ein Kreuz zu
machen. Im Laufe der Zeit hat dieses sich verselbständigt, weshalb man
gewöhnlich im Messbuch vor dem Te igitur eine ganze Seite mit einer
prachtvollen Kreuzesdarstellung findet.
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Während
sonst bei Orationen die Berufung auf die Mittlerschaft Jesu stets am Ende
steht [z. B. in der Schlussformel „Per Dominum nostrum Jesum Christum filium
tuum...”], steht sie im Te igitur ganz betont am Anfang: „Dich, gütiger
Vater, bitten wir demütig und flehen zu Dir durch Jesus Christus, Deinen
Sohn, unsern Herrn.“
Die
Worte „supplices rogamus ac petimus - demütig flehen und erbitten wir”
werden dargestellt, indem der Priester die Hände erhebt, sie zusammen fügt,
wieder senkt und tief verbeugt auf den Altar legt. Ganz wunderbar ist darin
zugleich tiefe Demut und kindliches Vertrauen auf den himmlischen Vater
ausgedrückt, der angeredet wird als ‚Pater clementissimus’ [von clemens =
sanftmütig, mild].
Nun
küsst er den Altar, zeichnet drei Kreuzzeichen über die Opfergaben und
bittet Gott, dass er sie annehmen und segnen wolle. |
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In
primis
Die
nächste Strophe beginnt mit den Worten: „Vor allem [= in primis]
opfern wir
sie Dir für Deine heilige katholische Kirche.“ Für sie erbitten wir eine
vierfache Gnade:
(1) Gott möge ihr den Frieden schenken und bewahren [pacificare].
(2) Er möge sie schützen und beschirmen [custodire].
(3) Er möge ihr Einheit geben [adunare].
(4) Er möge sie regieren und leiten [regere].
Dieses
Opfer wird aber nicht nur für die Kirche, sondern immer auch in ihrem Namen
dargebracht. Deshalb muss der Priester in Einheit stehen [una cum] mit dem
Papst als sichtbarem Oberhaupt der Kirche, dem Ortsbischof und mit „allen
Rechtgläubigen und Verehrern des katholischen und apostolischen Glaubens”,
denn: „Ubi Petrus, ibi Ecclesia. - Wo Petrus ist, da ist die Kirche. Wo die
Kirche ist, da ist kein Tod, sondern ewiges Leben.“ (hl. Ambrosius, Enarr in
Ps. 40)
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Memento
Zu
Beginn des Memento steht die Einfügung „N. et N.” Dies geht zurück auf die sogenannten
Diptychen. Ein Diptychon war ein kleines Gedenktäfelchen, auf
dem die Namen derer, für die das heilige Opfer dargebracht werden sollte,
zur ausdrücklichen Erwähnung verzeichnet waren. Noch heute verweilt der
Priester an dieser Stelle einige Augenblicke in Stille, um für alle zu
beten, die ihm anvertraut sind und die sich seinem Gebet empfohlen haben.
Insbesondere gedenkt er der Intention dessen, der diese Messe in besonderen
Anliegen bestellt hat, sowie aller Anwesenden, „deren Glauben und
Opfergesinnung Du kennst“, denn von der Größe ihrer Glaubens und ihrer
Opfergesinnung hängt es ab, wie reiche Früchte sie aus der Teilnahme am
Messopfer gewinnen.
Die
anwesenden Gläubigen [circumstantes] werden bezeichnet als solche, für die
geopfert wird [pro quibus tibi offerimus] und die auch selbst mitopfern [qui
tibi offerunt] dieses Opfer des Lobes „für sich selbst und für all die
Ihrigen, zur Rettung ihrer Seelen, zur Hoffnung auf Heil und Wohlfahrt”.
Vom
Opfer des Lobes lesen wir im Alten Testament: „Wir können nur noch preisen,
aber nicht ergründen, und größer ist er noch als alle seine Werke. Ehrwürdig
ist der Herr gar sehr, gar sehr, und wunderbar sind seine Machterweise. Die
ihr den Herrn lobpreist, erhebt die Stimme, so laut ihr könnt, denn es wird
nie genügen! Wenn ihr erhebt die Stimme, schöpfet neue Kraft, ermüdet nicht,
denn ihr kommt nie ans Ende! Wer sah ihn je und kann davon erzählen, und wer
kann ihn so preisen, wie er ist?“ (Sir 43,28 - 31) Hier auf dem Altar wird
Gott wirklich ein seiner Größe entsprechendes würdiges Lobopfer dargebracht,
denn es ist das Opfer des eingeborenen Gottessohnes, mit dem die Kirche ihr
Lob vereint.
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Die
Bitte um Heil und Wohlfahrt erinnert an die alttestamentliche Heilsnot und
Sehnsucht nach dem Erlöser. So sagt der Psalmist: „Es kann kein Mensch sich
selber erlösen, noch Lösegeld für sich zahlen an Gott! Zu hoch ist der Preis
für sein Leben.” (Ps 49, 8 f.) Was kein Mensch vermag, das kann doch Gott,
denn Christus selbst wurde zum Kaufpreis unseres Heiles: „Du wurdest
geschlachtet und hast uns erkauft mit Deinem Blut für Gott, aus jedem Stamm
und jeder Sprache, aus jedem Volk und jeder Nation.“ (Offb 5,9)
Weil
das Heil aber den ganzen Menschen betrifft mit Seele und Leib, werden beide
Aspekte auch ausdrücklich erwähnt: ‚Salus’ meint das Heil der Seele, ‚incolumitas’
[von incolumis = unversehrt, wohlbehalten] das Heil des Leibes.
Das
Memento klingt aus mit den Worten: „Dir, dem ewigen, lebendigen und wahren
Gott, erfüllen sie ihre Gelübde [reddunt ... vota sua]“. Sie erinnern
deutlich an den Psalmvers: „Bringe Gott als Opfer Lob dar und löse dem
Allerhöchsten deine Gelübde [redde Altissimo vota tua]!“ (Ps 50,14)
Das Wort
‚votum’ bezeichnet ein Gelübde, eine gelobte Gabe oder auch einfach einen
inneren Akt der Gottesverehrung. ‚Reddere’ bedeutet wörtlich ‚zurück-geben’.
Es erinnert daran, dass wir Leib und Leben und alles Gott verdanken: „Was
hast du, und hättest es nicht empfangen?” (1 Kor 4,7) Was immer wir ihm
geben, ist doch stets ein Zurück-geben, denn alles gehört ihm.
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Communicantes
Das Communicantes beruft sich auf die Gemeinschaft mit der triumphierende
Kirche im Himmel.
In der Apokalypse sieht der hl. Apostel Johannes den himmlischen Thron
umgeben von 24 Ältesten: „Im Umkreis des Thrones waren vierundzwanzig
Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, angetan mit weißen
Kleidern, und auf ihren Häuptern goldene Kränze.“ (Offb 4,4) Dieselbe Zahl
von Heiligen begegnet uns auch hier, denn wie in einer feierlichen
Prozession stehen sich - angeführt von der „glorreichen, immerwährenden
Jungfrau Maria, der Mutter unseres Gottes und Herrn Jesus Christus” und
ihrem Bräutigam, dem hl. Joseph, - genau 24 Heilige, je 12 Apostel und 12
frühchristliche Martyrer, gegenüber. Im Blick auf die nahende Wandlung
denken wir an die adventliche Antiphon: „Ecce Dominus veniet - Siehe, der
Herr wird kommen und alle Heiligen mit ihm ...“ (erster Adventssonntag)
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Maria &
Joseph
| Petrus |
Linus |
| Paulus |
Cletus |
| Andreas |
Clemens |
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Jacobus
[der Ältere]
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Xystus |
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Johannes |
Cornelius |
| Thomas |
Cyprianus |
| Jacobus
[der Jüngere] |
Laurentius |
|
Philippus |
Chrysogonus |
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Bartholomäus |
Johannes |
|
Matthäus |
Paulus |
| Simon |
Cosmas |
| [Judas]
Thaddäus |
Damian |
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Nach
katholischer Auffassung wird Christus durch die Heiligen keineswegs
verdeckt. Vielmehr offenbaren gerade sie in ihren heroischen Tugenden die
Kraft seiner Gnade. Wenn wir auch von einigen dieser Heiligen historisch nur
sehr wenig wissen, so gehören sie doch alle zum apostolischen Urgestein, auf
dem die Kirche errichtet ist.
Nach
dem Bekenntnis des Petrus bei Cäsarea Philippi sprach Jesus zu ihm: „Du bist
Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten
der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.” (Mt 16,18) Sehr schön sagt
dazu der hl. Papst Leo der Große: „Wie immerdar bleibt, was Petrus von
Christus geglaubt, so bleibt auch immerdar, was Christus in Petrus
eingesetzt hat.“ (2. Rede am Jahrestag der Konsekration)
Im
Credo bekennen wir den Glauben an die apostolische Kirche: Sie ist erbaut
„auf dem Fundament der Apostel” (Eph 2,20), in ihr lebt das apostolische Amt
und sie bewahrt unverfälscht und rein den apostolischen Glauben.
An
dieses Fundament erinnert indirekt auch die abschließende Bitte: „Durch ihre
Verdienste und Fürbitten gewähre uns, dass wir in allem durch die Hilfe
Deines Schutzes befestigt seien [muniamur].” Das Wort ‚muniamur’ ist
abgeleitet von ‚moenia’ [= Mauer]. Von der heiligen Stadt, dem himmlischen
Jerusalem, heißt es aber: „Sie hat eine mächtige, hohe Mauer mit zwölf
Toren, und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben ... Die
Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine, und auf ihnen die zwölf Namen der
zwölf Apostel des Lammes.“ (Offb 21,12 - 14)
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Hanc
igitur
Das
Hanc igitur wird angekündigt durch ein Glockenzeichen der Ministranten. Es
ist die letzte Bitte um Annahme des Opfers unmittelbar vor dem eigentlichen
Höhepunkt: „So nimm denn, Herr, wir bitten Dich, diese Opfergabe huldvoll
an.“ Dargebracht wird sie zu unserem zeitlichen und ewigen Heil: „Ordne
unsere Tage in Deinem Frieden. Rette uns vor der ewigen Verdammnis und reihe
uns ein in die Schar Deiner Auserwählten!“
Dazu
breitet der Priester seine Hände über die Opfergaben aus, wie einst auch
Aaron und seine Söhne es taten bei den vorbildlichen Opfern des Alten
Bundes, denn so sprach Gott zu Moses: „Hole dann den einen Widder; Aaron und
seine Söhne sollen ihre Hände auf den Kopf des Widders legen. Schlachte
darauf den Widder, nimm sein Blut und sprenge es ringsum an den Altar!“ (Ex
29,15 f.)
Von
ihrer natürlichen Symbolik her ist die Handauflegung - ähnlich wie bei der
Priesterweihe - einerseits Ausdruck von Besitzergreifung, indem nämlich Gott
die Gaben annimmt und gleichsam seine ‚Hand’ darauf legt. Andererseits
stellt sie eine Übertragung dar, verbunden mit der Bitte um die verwandelnde Herabkunft des Heiligen Geistes.
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| Ein
gewisser Anklang besteht auch zum alttestamentlichen Ritus des
‚Sündenbocks’: „Aaron lege seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden
Bockes und bekenne über ihm alle Verschuldungen der Israeliten und alle
Übertretungen, die sie irgendwie begangen haben; er soll sie auf den Kopf
des Bockes legen und diesen durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste
hinaustreiben. Der Bock soll alle ihre Verschuldungen mit sich hinwegtragen
in eine abgelegene Gegend.“ (Lev 16,21 f.) Schon der Prophet Isaias hat vom
leidenden Gottesknecht geweissagt: „Unsere Krankheiten trug er, unsere
Schmerzen lud er sich auf ... Er wurde durchbohrt für unsere Frevel,
zerschlagen wegen unserer Missetaten. Züchtigung für unser Heil lag auf ihm,
durch seine Wunden ward uns Heilung zuteil.” (Is 53,4 f.) Jesus wurde selbst
als „Lamm Gottes” (Joh 1,29) zur „Sühne für unsere Sünden, nicht nur für
unsere, sondern auch für die der ganzen Welt” (1 Joh 2,2). |
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Quam
oblationem
Die
letzte Kanonstrophe vor der Wandlung ist eine Art Epiklese [=
Wandlungsbitte]. Die zur Beschreibung der Opfergabe verwendeten Begriffe
sind teilweise der Rechtssprache entnommen. Sie möge in jeder Hinsicht von
Gott gesegnet sein [benedicta], angenommen ohne Rechtsunsicherheit [adscripta],
rechtskräftig gleich einem Vertrag [rata]. Vom Geist Gottes erfasst, soll
sie ein ‚lebendiges‘ und ‚geistiges‘ Opfer werden [rationabilis], im
höchsten Grad Gott wohlgefällig und angenehm [acceptabilis]: „Damit sie uns
werde Leib und Blut Deines vielgeliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus
Christus.“
Die je fünf Kreuzzeichen können als Hinweis auf die heiligen fünf Wunden
gedeutet werden.
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Konsekration
Alles
Bisherige diente zur Vorbereitung auf das Große, das nun geschieht, denn
„der Konsekrationsmoment ist der wichtigste und feierlichste, der erhabenste
und ergreifendste, der weihevollste und gnadenreichste Augenblick der
Messfeier“ (Gihr S. 595).
Niemals
ist der Priester so sehr Priester wie jetzt, da er ganz und gar in persona
Christi handelt, indem er Christus als Werkzeug dient und ihm gleichsam
seinen Mund und seine Hände leiht, damit er durch sie dem Vater das
sakramentale Opfer der Erlösung darbringen kann [vgl. Direktorium für Dienst
und Leben der Priester Nr. 48]. Als eigentlich Handelnden erkennen wir mit
den Augen des Glaubens Jesus, den ewigen Hohenpriester.
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Sehr
schön wird dies veranschaulicht, wenn nun der Ministrant direkt hinter dem
Priester niederkniet und den Saum des Messgewandes ergreift. Ganz ähnlich
tat es die kranke Frau in Kapharnaum: „Und siehe, eine Frau, die seit zwölf
Jahren an Blutfluss litt, trat von rückwärts hinzu und berührte den Saum
seines Kleides; denn sie sagte sich: Wenn ich nur sein Kleid berühre, werde
ich gesund. Jesus wandte sich um, sah sie und sprach: ‚Sei getrost, Tochter,
dein Glaube hat dir geholfen!‘ Und die Frau war geheilt von jener Stunde
an.“ (Mt 9,20 - 22) Im Geiste sollen auch wir den Saum seines Gewandes
berühren, im festen Glauben, dass Jesus selbst im zelebrierenden Priester
gegenwärtig ist und dass wir heil werden durch ihn. „Wo er Dörfer oder
Städte oder Gehöfte betrat, legten sie die Kranken auf die offenen Plätze
und baten ihn, dass sie wenigstens den Saum seines Kleides berühren dürften;
und alle, die ihn berührten, wurden geheilt.“ (Mk 6,56)
Der
Form nach handelt es sich bei den Wandlungsworten nicht um einen ‚Bericht’,
sondern vielmehr um ein an Gott den Vater gerichtetes Gebet: „Er nahm am
Abend vor seinem Leiden Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob
die Augen gen Himmel zu Dir, Gott, seinem allmächtigen Vater, sagte Dir
Dank, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet
hin und esset alle davon ...“
Durch
die begleitenden Riten wird im Tun des Priesters dem Vater die actio Christi
dargestellt, denn er tut genau das, was auch Jesus tat: Er nimmt Brot und
Kelch, erhebt die Augen, verneigt das Haupt und segnet die Gaben. Das
Brechen und die Austeilung finden allerdings erst später statt, während das
Danken bereits vorher in der Präfation entfaltet wurde.
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| Die
Einleitung „Qui pridie quam pateretur” erinnert an den Zusammenhang zwischen
Messopfer und Passion. Auch beim Letzten Abendmahl hat Jesus ganz
ausdrücklich von seinem Leiden gesprochen: „Sehnlichst habe ich danach
verlangt, dieses Pascha mit euch zu essen, bevor ich leide [antequam patiar].”
(Lk 22,15) Dieses heilbringende Leiden wird in jeder Messe mit all seinen
Früchten auf geheimnisvolle Weise gegenwärtig. |
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Zum
ersten Teil der Wandlung beugt sich der Priester über das Brot und spricht
die Worte: „Das ist mein Leib.“ Danach hält er nicht mehr Brot in den
Händen, sondern den geopferten Leib Jesu. |
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Von der
eucharistischen Wesensverwandlung sagt das Konzil von Trient: „Zu Beginn
lehrt die heilige Kirchenversammlung, und sie bekennt offen und ohne
Rückhalt, dass in dem erhabenen Sakrament der heiligen Eucharistie nach der
Konsekration von Brot und Wein unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und
Mensch wahrhaft, wirklich und wesentlich unter der Gestalt jener sichtbaren
Dinge gegenwärtig ist.“ (13. Sitzung [1551], 1. Kapitel, DS 1636)
Der hl.
Thomas von Aquin besingt dieses Geheimnis mit den Worten: „Gesicht, Gefühl,
Geschmack, sie täuschen sich in Dir, doch das Gehör verleiht den sichern
Glauben mir. Was Gottes Sohn gesagt, das glaub ich hier allein. Es ist der
Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein?“ (Hymnus ‚Adoro te devote’)
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Der
Glaube an die wirkliche Gegenwart des Herrn [= Realpräsenz] findet im
klassischen römischen Ritus einen passenden Ausdruck, indem nun der Priester
sofort - noch vor der Elevation - anbetend das Knie beugt. Dabei ahmt er die
drei Weisen nach, die sogleich als sie das Kind sahen, vor ihm niederfielen
und ihm huldigten [vgl. Mt 2,11].
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| „Die
kleine Hostie schließt jetzt unendlich mehr Schätze, Reichtümer und
Herrlichkeiten in sich, als auf dem Weltall sich finden ... Der Priester
trägt seinen Schöpfer, Erlöser, Richter in Händen: was liegt da näher, als
dass er vor demselben in heiliger Furcht und seliger Freude anbetend auf die
Knie niedersinkt?“ (Gihr S. 600 f.) |
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Nach
der anbetenden Kniebeuge erhebt er die Hostie gleich der im Osten
aufgehenden Sonne hoch über sein Haupt [= Elevation].
• Er
zeigt die Hostie dem gläubigen Volk [„ostendit populo“ - Missale Romanum],
damit es anschaue und anbete: „Jesus, den verborgen, jetzt mein Auge sieht,
stille mein Verlangen, das mich heiss durchglüht: Lass die Schleier fallen,
einst in Deinem Licht, dass ich selig schaue, Herr, Dein Angesicht.” (hl.
Thomas von Aquin, Hymnus ‚Adoro te devote’) Die Glückseligkeit der Heiligen
im Himmel besteht wesentlich in der beseligenden Anschauung Gottes [=
visio beatifica].
•
Zugleich aber zeigt der Priester den geopferten Leib Jesu auch dem
himmlischen Vater: „Was stellt der Priester hier Gott dem Herrn vor Augen?
Es ist die vergöttlichte Menschheit seines eingeborenen Sohnes, das
vortrefflichste Ebenbild der allerheiligsten Dreifaltigkeit, das
allerkostbarste Kleinod, wie keines zu finden ist in allen Schätzen der
Welt.“ (Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Messopfers, S. 336)
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| In der
erhobenen Hostie trifft sich der anbetende Blick der Gläubigen mit dem Blick
des himmlischen Vaters, der wie damals bei der Taufe im Jordan oder bei der
Verklärung auf dem Tabor uns sagen möchte: „Dieser ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe.” (Mt 3,17 und 17,5) |
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Nach
dem Vorbild Jesu wird die Wandlung in zwei Teilen vollzogen. Zur
Konsekration des Weines beugt sich der Priester über den Kelch und spricht
die Worte: „Das ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes,
Geheimnis des Glaubens, das für euch und für viele vergossen wird zur
Vergebung der Sünden.“ |
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Der
heilige Leib und das kostbare Blut Jesu werden getrennt gegenwärtig, um zur
mystischen Darstellung des gewaltsamen Opfertodes am Kreuz die
Blutvergießung und die Trennung von Leib und Seele anzudeuten.
Beide
Teile der Wandlung entsprechen einander in wunderbarer Symmetrie.
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Nach
der heiligen Wandlung fällt die besondere Fingerhaltung des Priesters auf.
Auch sie kündet eindrucksvoll vom Glauben an die wirkliche Gegenwart des
Herrn. Am Tag der Priesterweihe wurden Daumen und Zeigefinger des
Neupriesters eigens gesalbt. Von der ersten Berührung im Moment der Wandlung
an hält er sie nun fest beisammen, und aus Ehrfurcht berührt er mit ihnen
nichts anderes mehr, als nur die Hostie. |
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Unde et
memores
Nach
der Wandlung des kostbaren Blutes steht die Aufforderung Jesu: „Tut dies,
sooft ihr es tut, zu meinem Gedächtnis.”
Eben
dieses Gedächtnis wird nun aufgegriffen, denn aus dem Gedenken daran, was
Gott für uns getan hat, wächst der Dank, und dieser drängt danach, sich
auszudrücken im Opfer: „Weil wir eingedenk sind [memores] der so sehr heilbringenden Passion, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen
Himmelfahrt, darum opfern wir [offerimus] Deiner erhabenen Majestät” das
Gotteslamm auf, dessen geopferter Leib nun vor uns auf dem Altar liegt.
Jesus selbst ist die „hostia pura”, die reine, heilige und makellose
Opfergabe. Er ist das „heilige Brot des ewigen Lebens” [vgl. Joh 6,51].
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Die fünf Kreuzzeichen über die Opfergaben erinnern wieder an die
heiligen fünf Wunden und an Jesu Leiden und Tod. „Werden die
eucharistischen Opfergaben genannt, dann tritt passend das Symbol des
Kreuzes hinzu, um auch für das Auge anschaulich zu machen, dass auf dem
Altar der nämliche Leib und das nämliche Blut geopfert werde wie einst
am Kreuz.“ (Gihr S. 616) |
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den geweihten Priestern [„nos servi tui”] werden auch die Gläubigen als
Mitopfernde genannt [„sed et plebs tua sancta”]. Darin ist sehr schön der
übernatürliche Adel des Gottesvolkes im allgemeinen Priestertum
ausgesprochen, von dem der hl. Apostel Paulus sagt: „Ihr aber seid ein
auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein geheiligtes
Volk.“ (1 Petr 2,9) |
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Supra
quae
Im
Supra quae bittet die Kirche den himmlischen Vater, ihr mit dem Opfer Jesu
vereintes Opfer wohlgefällig anzunehmen. Dazu erinnert sie an die
heilsgeschichtlichen Zusammenhänge vom ersten Opfer des Abel an über die
Opfer Abrahams und Melchisedechs bis hin zu ihrer Erfüllung im Kreuzesopfer
Jesu. So heißt es in der Secret vom 7. Sonntag nach Pfingsten: „O Gott, Du
hast all den verschiedenen Opfern des alten Gesetzes durch das eine
vollkommene Opfer ihre Erfüllung gegeben ...”
Der
vorbildhafte Charakter wird in den drei erwähnten Opfern ganz besonders
deutlich:
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(1) Abel,
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der Gerechte |
opfert ein Lamm. |
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(2) Abraham,
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der Vater |
opfert den Sohn |
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(3) Melchisedech, |
der Priester |
opfert Brot und Wein. |
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• Vom
„gerechten Diener Abel” heisst es ausdrücklich: „Der Herr blickte auf Abel
und seine Opfergabe.“ (Gen 4,4) Jesus selbst nennt den „gerechten Abel” (Mt
23,35), der sein Opfer in seinem eigenen schuldlos vergossenen Blut
vollendet hat und dadurch zum Vorbild für den wurde, dessen Blut „wirksamer
redet als das Blut Abels“ (Hebr 12,24) und von dem Pilatus sagt: „Ich bin
unschuldig am Blute dieses Gerechten.“ (Mt 27,24)
• Eine
ganz vorzügliche vorbildhafte Beziehung besteht zwischen dem Kreuzesopfer
Jesu und dem Opfer Abrahams, denn wie Isaak ist auch Jesus der einzig
geliebte Sohn, der selbst das Holz für sein Opfer zum Berg Moria empor
getragen hat. In ihm finden die Worte Abrahams ihre letzte Erfüllung: „Gott
selbst wird sich ein Opferlamm ersehen.” (Gen 22,8)
• Auch
der Priesterkönig Melchisedech ist Vorbild des Messias, von dem prophezeit
ist, er werde Priester sein auf ewig „nach der Ordnung des Melchisedech” (Hebr
5,10 und Ps 110,4). Stellvertretend für sein ganzes Geschlecht entrichtete
ihm Abraham den Zehnten, als Melchisedech zur Ehre des allerhöchsten Gottes
Brot und Wein zum Opfer brachte [vgl. Gen 14,18].
Supplices
Ähnlich
wie die Seraphim in der Vision des Isaias vor dem hohen und erhabenen
göttlichen Thron ihr Angesicht verhüllen [vgl. Is 6,2], senkt nun der
Priester den Blick und spricht tief verbeugt: „Demütig bitten wir Dich,
allmächtiger Gott: Dein heiliger Engel möge dies zu Deinem himmlischen Altar emportragen vor das Angesicht Deiner göttlichen Majestät.”
Der
‚Engel’ und der ‚himmlischen Altar’ erinnern an die Schau der himmlischen
Liturgie in der Offenbarung des Johannes: „Und als es das siebte Siegel
öffnete, wurde es still im Himmel, wohl eine halbe Stunde lang. Und ich sah
die sieben Engel, die vor Gott stehen, und es wurden ihnen sieben Posaunen
gegeben. Ein anderer Engel kam und trat vor den Altar, eine goldene
Rauchschale tragend, und viel Räucherwerk wurde ihm gegeben, dass er es
darbringe unter dem Gebet aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem
Throne Gottes. Und der Rauch des Räucherwerkes stieg unter den Gebeten der
Heiligen aus der Hand des Engels empor zu Gott.“ (Offb 8,1 - 4)
Der hl.
Thomas von Aquin [S. th. III,83,4 ad 9] deutet den Opferengel auf Christus
selbst, der als Mittler des Neuen Bundes das Opfer der Kirche zum
himmlischen Altar trägt.
Während
der erste Teil ganz zu Gott empor gerichtet ist, tritt nach den Worten „ut
quotquot” eine deutliche Wende ein. Nun küsst der Priester den Altar und
erbittet den göttlichen Segen, „damit wir alle, die wir durch die Teilnahme
an diesem Altar den hochheiligen Leib † und das Blut † Deines Sohnes
empfangen, mit allem Gnadensegen des Himmels erfüllt werden“.
Memento
etiam
Nachdem
er den Segen für die Lebenden erbeten hat, gedenkt er nun der leidenden
Kirche, der Seelen im Fegfeuer, die in ihrem gegenwärtigen Zustand nicht
mehr selbst opfern können, sondern passiv geläutert werden: „Gedenke auch, o
Herr, Deiner Diener und Dienerinnen, die uns vorangegangen sind mit dem
Zeichen des Glaubens, und die nun ruhen im Frieden.”
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In den
Worten „die uns vorangegangen sind” liegt eine Mahnung für die streitende
Kirche auf Erden, denn auch sie wird einmal diesen Weg gehen. Es ist
heilsam, an den Tod zu denken, um im Blick auf den Tag der Rechenschaft
stets bereit zu sein, „denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr
es nicht vermutet“ (Mt 24,44).
Das
‚Zeichen des Glaubens’ [signum fidei] ist das unauslöschliche Merkmal, das
in der Taufe der Seele eingeprägt wird zum Zeichen unbedingter Zugehörigkeit
und unverbrüchlicher Treue zu Christus und seiner Kirche.
Der
Zustand der Seelen im Fegfeuer wird sehr positiv beschrieben als ‚Schlaf des
Friedens’, denn obgleich sie der Vollendung ihrer Erlösung noch
entgegenharren, ist ihnen der Friede doch gesichert. Zwar sind sie noch
nicht am Ziel, aber sie sind auf dem Weg, auf dem sie das Ziel nicht mehr
verlieren können. „Selig sind von jetzt an die Toten, die im Herrn sterben!
Wahrlich, spricht der Geist, sie werden ausruhen von ihren Mühen; denn ihre
Werke folgen ihnen nach.“ (Offb 14,13)
Die
himmlische Seligkeit wird dreifach umschrieben als Ort erfrischender Kühle [locus
refrigerii], des Lichtes [lucis] und des Friedens [pacis].
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• Die
erfrischende Kühle deutet darauf hin, dass die läuternden Strafen des
Fegfeuers beendet sein werden: „Transivimus per ignem et aquam: et eduxisti
nos in refrigerium. - Durch Feuer und Wasser sind wir geschritten: und Du
hast uns hinausgeführt zum Ort der Erfrischung.“ (Ps 66,12) Auch denken wir
an die Bitte des reichen Prassers im Gleichnis vom armen Lazarus: „Als er in
der Unterwelt in der Qual seiner Schmerzen seine Augen erhob, sah er Abraham
von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, erbarme
dich meiner und sende den Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins
Wasser tauche und meine Zunge erfrische; denn ich leide große Pein in dieser
Glut.“ (Lk 16,23 f.)
• Als
‚Ort des Lichtes’ schildert Johannes das himmlische Jerusalem: „Die Stadt
bedarf weder der Sonne noch des Mondes, dass sie scheinen in ihr; denn die
Herrlichkeit Gottes erleuchtete sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Offb
21,23) Und im Psalm 36 stehen die herrlichen Verse: „Am Reichtum Deines
Hauses laben sie sich, mit dem Strom Deiner Wonnen tränkst Du sie. Ja, bei
Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir das Licht.“ (Ps
36,9 f.)
Bei den
abschließenden Worten „Per eundem Christum Dominum nostrum” neigt der
Priester das Haupt. Dies ist ungewöhnlich, weil der Name Jesus hier nicht
genannt wird. Nach einer schönen allegorischen Deutung soll diese Verneigung
den Tod Jesu darstellen, der ebenfalls mit geneigtem Haupt [vgl. Joh 19,30]
gestorben ist: „Sterbend hat Christus am Kreuze sein Haupt geneigt und ist
dann in die Tiefe des Totenreiches hinabgestiegen, um die Frommen der
Vorzeit dort zu trösten und aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Daran will
der Priester nun erinnern durch Neigung seines Hauptes, da er ja hier für
alle in Christus Ruhenden betet und fleht.“ (Gihr S. 635)
Nobis
quoque
Da
sonst der ganze Kanon in Stille vollzogen wird, fällt es auf, dass nun der
Priester die Stimme ein wenig hebt und drei Worte ganz deutlich ausspricht,
wobei er sich mit der rechten Hand an die Brust schlägt: „Nobis quoque
peccatoribus. - Auch uns Sündern, Deinen Dienern, die auf Deine überreiche
Barmherzigkeit vertrauen, schenke in Gnaden Anteil und Gemeinschaft mit
Deinen Heiligen ...” Der Grund liegt darin, dass er hier für sich selbst und
für den anwesenden Klerus betet. Durch die Erhebung der Stimme soll die
Aufmerksamkeit der übrigen Geistlichen geweckt werden, damit auch sie sich
an die Brust schlagen und sich mit dem Gebet des Zelebranten vereinen.
Das
Schlagen an die Brust geschieht hier nicht nur zum Ausdruck von Reue und
Zerknirschung, sondern kann in direkter Anknüpfung an die Allegorese der
vorherigen Strophe gedeutet werden. Nachdem nämlich Jesus sterbend sein
Haupt geneigt hatte, schlugen sich alle an die Brust: „Als der Hauptmann
sah, was geschah, pries er Gott und sprach: ‚Wirklich, dieser Mensch war ein
Gerechter!‘ Und all die Volksscharen, die sich zu diesem Schauspiel
eingefunden hatten und sahen, was vorging, schlugen an die Brust und gingen
von dannen.“ (Lk 23,47 f.)
In den
Worten „die auf Deine überreiche Barmherzigkeit vertrauen“ ist ein starker
Anklang an den Psalm Miserere, den König David angestimmt hat, nachdem er
schwer gesündigt hatte: „Gemäß Deiner überreichen Barmherzigkeit, tilge mein
Vergehen!“ (Ps 51,3)
In der
Bitte um Anteil und Gemeinschaft mit den Heiligen findet sich die Wendung „partem
aliquam”: Wir bitten in Demut wenigstens um einen „kleinen Teil”, denn so
sagt der Psalmist: „Wahrlich, ein Tag in Deinen Vorhöfen ist besser als
tausend andere. Lieber auf der Schwelle liegen im Haus meines Gottes, als in
den Zelten der Frevler wohnen!” (Ps 84,11)
Angeführt von Johannes dem Täufer werden 14 Märtyrer aufgelistet: 7 Männer
und 7 Frauen.
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Johannes
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Stephanus |
Felicitas |
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Matthias |
Perpetua |
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Barnabas |
Agatha |
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Ignatius |
Lucia |
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Alexander |
Agnes |
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Marcellinus |
Cäcilia |
| Petrus |
Anastasia |
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Aus der
Zahl dieser Heiligen sei hier nur einer besonders herausgegriffen, nämlich
der hl. Ignatius, Bischof von Antiochien, der um das Jahr 107 in Rom den
Martertod starb. Von seiner letzten Reise besitzen wir sieben Briefe, von
denen besonders jener an die römische Christengemeinde in ergreifender und
eindrucksvoller Weise von seiner Opfergesinnung zeugt. Aus Sorge, die
römischen Christen könnten versuchen, sein Martyrium zu verhindern, schrieb
er: „Ihr könnt mir nicht besser eure zärtliche Liebe beweisen, als wenn ihr
es geschehen lasst, dass ich mich zum Opfer weihe - jetzt, wo der Altar
errichtet ist: begnügt euch, im heiligen Chore der Liebe Dank zu singen dem
Vater in Christo Jesu. Wohl mir, wenn ich der Welt untergehe, um für Gott
aufzugehen! Lasset mich den Tieren zur Speise werden, damit ich durch sie zu
Gott gelange. Ich bin der Weizen Gottes und muss durch die Zähne der Tiere
gemahlen werden, um reines Brot Christi zu sein. Feuer und Kreuz, Scharen
wilder Tiere, Zerreißung des Leibes, Zerstückelung meiner Glieder,
Zermalmung meiner Gebeine, - kurz, was immer der Teufel an Qualen ersinnen
kann, alles möge über mich kommen, wenn ich nur Jesum Christum gewinne. Alle
Vergnügungen der Erde achte ich für nichts, für nichts alle Königreiche der
Welt: besser ist es für mich, zu sterben für Jesus Christus, als zu
herrschen über alle Grenzen der Erde. Lasset mich nachahmen das Leiden
meines Gottes. Meine Liebe ist ja gekreuzigt. Kein Feuer glüht in mir, das
nach dem Irdischen zielt, sondern ein Quell lebendigen Wassers sprudelt in
meinem Herzen und ruft mir zu: Komm zum Vater! Nur das Brot Gottes verlange
ich, das Himmelsbrot des Lebens, welches ist das Fleisch Jesu Christi, des
Sohnes Gottes: nur den Trank verlange ich, sein Blut, welches ist die
unvergängliche Liebe und das ewige Leben!“ (Ignatius von Antiochien, Brief
an die Römer, zitiert nach Gihr S. 640 f.)
Die
abschließende Bitte um Aufnahme ins ‚Consortium Sanctorum’ [= Lebens- und
Gütergemeinschaft mit den Heiligen] erinnert an das Wort des hl. Apostels
Paulus: „Möget ihr in Freude Dank sagen dem Vater, der uns befähigt hat,
Anteil zu erhalten am Erbe seiner Heiligen im Lichte.“ (Kol 1,12)
Per
quem haec omnia
In der
folgenden Kanonstrophe beziehen sich die Worte „haec omnia” [= dies alles]
zunächst auf die eucharistischen Elemente. Tatsächlich hat Gott die Gaben
von Brot und Wein durch die Wesensverwandlung auf höchstmögliche und
unüberbietbare Weise geheiligt, belebt und gesegnet. Aus den ‚leblosen’
materiellen Gaben wurde ein ‚lebendiges’ Brot: „Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist. Wenn einer von diesem Brote isst, wird er
leben in Ewigkeit, und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für
das Leben der Welt.“ (Joh 6,51)
Zugleich aber repräsentieren die Gaben von Brot und Wein auch die ganze
sichtbare Schöpfung. In ihnen wird stellvertretend die übrige Welt gesegnet.
Deshalb bezieht sich das „haec omnia” auch auf die Gaben der Natur.
Tatsächlich fand zu bestimmten Zeiten in der Geschichte und an gewissen
Festen unmittelbar vor dem Per quem haec omnia eine Segnung von Naturalien
statt. In einer von Papst Gelasius [492 - 496] verfassten Sammlung
liturgischer Riten steht die Anweisung, kurz vor Ende des Messkanons Früchte
zu segnen. Darauf folgt eine Segensformel, die abschließt mit den Worten:
„... in nomine D. N. I. Ch. per quem haec omnia ...“ (vgl. Gihr S. 651,
Fußnote 3). Daraus wird ganz deutlich, dass das heutige Per quem haec omnia
ursprünglich eine feststehende Schlussformel für verschiedene Segensgebete
war. Ein Überbleibsel der Segnung von Naturalgaben findet sich noch immer im
Pontificale Romanum, denn die Weihe des Krankenöles in der Chrisammesse des
Gründonnerstags findet genau an dieser Stelle statt.
Per
ipsum
Das Per ipsum ist ein abschließender Lobpreis, der den ganzen Kanon noch einmal
zusammenfasst und gleichsam auf den Punkt bringt.
Der
Priester deckt den Kelch ab, beugt die Knie, ergreift ehrfurchtsvoll mit
Daumen und Zeigefinger der rechten Hand die heilige Hostie und macht mit ihr
langsam drei Kreuzzeichen von Rand zu Rand des Kelches. Wie zuvor die
zweigeteilte Wandlung auf den gewaltsamen Opfertod Jesu hinweist, so kann
dies als symbolische Zusammenfügung zur Darstellung der Auferstehung
verstanden werden.
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Die
Kreuze deuten in die vier Himmelsrichtungen, von denen her die Kirche
versammelt ist, um in Vereinigung mit dem unendlich wertvollen Opfer
Christi „durch ihn und mit ihm und in ihm” Gott dem allmächtigen Vater
in der Einheit des Heiligen Geistes „omnis honor et gloria”, d. h. die
ihm gebührende höchste und vollkommenste Ehre und Verherrlichung zu
erweisen.
Bei
den Worten „omnis honor und gloria” erhebt der Priester Kelch und Hostie
zur ‚kleinen Elevation’, um sie so auch äußerlich sichtbar dem
himmlischen Vater aufzuopfern, wozu der Ministrant ein Glockenzeichen
gibt.
Nach dem wieder laut gesprochenen „Per omnia saecula saeculorum”
antwortet das Volk: „Amen”, was soviel heißt wie: „So sei es!” Dieses
unscheinbare Wort hat an dieser Stelle ein sehr hohes Gewicht, denn auf
diese Weise erklären die Gläubigen zur ganzen Opferhandlung ihre
feierliche Zustimmung. |
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Pater noster
Seit Papst Gregor dem Großen [590 - 604] folgt nun das Pater noster. In
einem Brief an den Bischof von Syrakus [ep 7,63] sagt er, wenn schon von
Menschen verfasste Gebete über die Opfergaben gesprochen würden, dann
zieme sich dies umso mehr für das vom Herrn selbst verfasste Gebet. Er
selbst verstand die Einführung des Pater noster als wichtige Ergänzung
und Vollendung des Kanon. Weil es aber ausdrücklich in den Kreis der
Kanonstrophen einbezogen war, sollte es vom Priester allein gebetet
werden.
Die
vierte Bitte um das tägliche Brot meint nicht nur die Nahrung für den
Leib, sondern umfasst sämtliche Bedürfnisse des Menschen in seiner
leib-seelischen Ganzheit, denn „nicht vom Brot allein lebt der Mensch” (Mt
4,4 / Dt 8,3). Ganz deutlich ist darin bereits eine Überleitung und
Vorbereitung auf die heilige Kommunion.
Embolismus
Die
letzte Bitte des Pater noster wird fortgeführt und ausgedeutet im
sogenannten Embolismus, in dem der Kanon seinen endgültigen Abschluss
findet: „Erlöse uns, Herr, wir bitten Dich, von allem Übel, sei es
vergangen, gegenwärtig oder zukünftig; und auf die Fürsprache der
seligen, glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin Maria, wie
auch Deiner heiligen Apostel Petrus, Paulus, Andreas und aller Heiligen,
gib gnädig Frieden in unseren Tagen...” Bei diesen Worten bekreuzigt
sich der Priester mit der Patene, denn er bittet um jenen wahren
Frieden, den Christus gebracht hat durch sein Kreuz, „... damit wir mit
Hilfe Deiner Gnade sowohl allzeit von Sünden frei, als auch vor jeder
Verwirrung sicher seien.“ |
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Nun küsst der Priester die Patene und schiebt sie
unter die Hostie. Diese Aufnahme der Hostie deutet der sel. Hrabanus
Maurus [776 - 856] als symbolische Grablegung und den Kuss als „Zeichen
der Liebe und Ehrfurcht ... gegen dieses ‚neue Grabmal‘ des
anbetungswürdigen Fronleichnams Christi“ (Gihr S. 662). |
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Fractio
Schon bei der Wandlung wurde erwähnt, wie Jesus beim Letzten Abendmahl
das Brot gebrochen hat: „Er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es
und gab es ihnen mit den Worten: ‚Das ist mein Leib, der für euch
hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!‘“ (Lk 22,19) Diese
Brechung wird nun vollzogen. |
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Der Priester deckt mit der rechten Hand den Kelch ab,
macht eine Kniebeuge, ergreift die Hostie, bricht sie ehrfurchtsvoll in
der Mitte [fractio], löst ein kleines Stück von der linken Hälfte ab,
zeichnet damit zur Pax drei Kreuze über den Kelch [consignatio] und
senkt diesen Partikel in das kostbare Blut [mixtio].
Die frühen Christen haben das Brotbrechen als starkes
Symbol empfunden und den Begriff [ähnlich wie den der Eucharistia =
‚Danksagung’] sogar als Bezeichnung für das ganze eucharistische Opfer
gebraucht: „Sie verharrten in der Lehre der Apostel, in der
Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet.” (Apg 2,42)
Die
Brechung der Hostie wird direkt über dem Kelch mit dem kostbaren Blut
vollzogen. Sie erinnert wiederum an den gewaltsamen Opfertod Jesu und
ganz besonders an die Öffnung seiner Seite, aus der eben dieses kostbare
Blut zum Heil der Welt geflossen ist: „Einer der Soldaten stieß mit der
Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus” (Joh
19,34). |
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Consignatio und Pax
Mit
dem kleinen, von der linken Seite der gebrochenen Hostie abgelösten
Partikel, macht der Priester ein dreifaches Kreuz über den Kelch [=
consignatio] und spricht: „Der Friede † des Herrn †
sei allezeit † mit
euch.“ Wir denken an das Wort des hl. Apostels Paulus: „Es war Gottes
Ratschluss, ... durch ihn alles mit sich zu versöhnen, da er den Frieden
wirkte durch sein Blut am Kreuz.“ (Kol 1,19)
Mixtio
Schließlich wird der Partikel in das kostbare Blut versenkt, während der
Priester spricht: „Diese geheiligte Mischung von Leib und Blut unseres
Herrn Jesus Christus gereiche uns bei ihrem Empfange zum ewigen Leben.“
Durch die Zusammenführung der getrennten Gestalten von Leib und Blut
Christi wird wieder, wie beim Per ipsum, symbolisch die Auferstehung
dargestellt. |
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