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 Stufengebet

Das Stufengebet

Die Altarstufen

Die Bezeichnung ‚Stufengebet‘ rührt von den Stufen her, auf denen gewöhnlich der Altar errichtet ist. Die Deutungen dieser Stufen sind vielfältig. Sofern es drei Stufen sind, mögen sie betrachtet werden als Hinweis auf den Aufstieg zu Gott durch die drei göttlichen Tugenden: Wie zu Beginn des Rosenkranzes nahen wir uns dem Herrn mit der demütigen Bitte um einen lebendigen Glauben, eine starke Hoffnung und eine glühende Liebe.

Die grundlegendste Bedeutung der Altarstufen dürfte aber die sein, den Berg Golgotha darstellen zu wollen, denn er ist der Ort des Kreuzesopfers, welches in der Messe auf unblutige Weise gegenwärtig gesetzt wird. Schon im Alten Bund spielen Berge als Orte der Nähe Gottes und als Opferstätten eine große Rolle. Abraham brachte sein Opfer dar auf dem Berg Moria: „Und Gott sprach: ‚Nimm deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, den Isaak, begib dich in das Land Moria und bringe ihn dort auf einem der Berge, den ich dir noch zeigen werde, zum Brandopfer dar!‘“ (Gen 22,2) Nach alten Überlieferungen könnte der Berg Moria durchaus identisch sein mit dem Berg Golgotha, auf dem der Herr selbst sein Erlösungsopfer dargebracht hat. Wie Isaak ist Er der einzig geliebte Sohn, der selbst das Holz emporgetragen hat, welches Ihm zum Opferaltar werden sollte. Noch heute sieht man in Jerusalem die Spalte im Felsen, die beim Tode Jesu entstanden ist und die hinabreicht zu dem Ort, an welchem - ebenfalls nach alten Überlieferungen - Adam sein Grab gefunden haben soll. Daher rührt der Brauch, am Fuß des Kruzifixes den Adamsschädel darzustellen. Lassen wir uns zu Beginn der Messe hineinnehmen in die großen Zusammenhänge des Erlösungsmysteriums: Am Fuß von Golgotha demütigt sich der alte Adam zum Ausdruck seiner Sehnsucht nach den Früchten der Erlösung.

Die symbolische Deutung des Altares als Golgothaberg wird unterstrichen durch die Gegenstände, die sich auf dem Altar befinden: Das Altarkreuz erinnert an das blutige Opfer des Herrn, die drei linnenen Altartücher bedeuten die Grabtücher Jesu, und die Kerzen symbolisieren das Licht der Auferstehung.

Über die Bedeutung des Em-porsteigens schreibt Romano Guardini: „Das Unten ist nun einmal von Wesen her Gleichnis für das Geringe, Schlechte; das Droben Gleichnis für das Edle, Gute, und jedes Emporsteigen spricht vom Aufstieg unseres Wesens zum ‚Allerhöchsten‘, zu Gott ... Darum führen die Stufen von der Straße zur Kirche. Sie sagen: Du gehst hinauf, zum Haus des Gebetes, näher zu Gott. Vom Schiff der Kirche wieder Stufen zum Chor; sie sagen: Nun trittst du ins Allerheiligste ein. Und Stufen tragen zum Altar empor. Wer die hinaufgeht, dem sagen sie, wie einst Gott zu Moses auf dem Berge Horeb: ‚Ziehe die Schuhe von den Füßen, denn die Stätte, darauf du stehst, ist heiliges Land.‘ (Ex 3,5) Der Altar ist Schwelle der Ewigkeit. Wie groß ist das! Nicht wahr, nun wirst du die Stufen wissend steigen? Wissend, daß es emporgeht? Wirst alles Niedrige drunten lassen, und wirklich ‚zur Höhe‘ steigen? Aber was soll man da viel sagen. Es muß dir innerlich klar werden, damit die ‚Aufstiege des Herrn‘ sich in dir ereignen, das ist alles.“ (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen, Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1985, S. 26 f.)

Bevor nun der Priester zum Altar emporsteigt, spricht er im Wechsel mit den Ministranten das Stufengebet. Es besteht aus zwei Teilen: dem Psalm 42 und dem Confiteor.

Kreuzzeichen

Das Stufengebet wird eröffnet durch das Kreuzzeichen. Schon hier lassen wir uns vom Kreuzesopfer erfassen. Überdies deuten wir das Kreuzzeichen als kleines Glaubensbekenntnis: Mit dem Mund bekennen wir den Glauben an den dreifaltigen Gott, während die Hand das Kreuz zeichnet zum Ausdruck des Glaubens an die Menschwerdung Gottes und die Erlösung durch das Kreuz.

Der Psalm ‚Judica‘

Der Psalm 42 ist ohne Zweifel besonders gut geeignet, den Gang zum Altar zu deuten. Der vierte Vers wird gebetet als Antiphon: „Introibo ad altare Dei, ad Deum, qui laetificat juventutem meam.“ - „Zum Altare Gottes will ich treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“ Gemeint ist hier nicht die biologische Jugend des Leibes, sondern die Jugend der Gnade. In der Taufe sind wir wiedergeboren zum neuen Leben der Gnade. Der heilige Ambrosius sagt einmal: „Du hast abgelegt das Alter der Sünde und angelegt die Jugend der Gnade.“ Die Gnade schenkt uns neues Leben in ewiger Jugend, die hineinführt und gipfelt im ewigen Leben. Was den Menschen altern läßt, ist die Sünde. „Wie kostbar ist Deine Huld, o Gott! Im Schatten Deiner Flügel bergen sich die Menschen. Am Reichtum Deines Hauses laben sie sich, mit dem Strom Deiner Wonnen tränkst Du sie. Ja, bei Dir ist die Quelle des Lebens, in Deinem Lichte schauen wir Licht.“ (Ps 36,8-11)

Wenn wir versuchen, eine kurze inhaltliche Deutung des Psalmes 42 im Hinblick auf die innere Gliederung der Messe zu geben, so ist dabei die Begrenztheit der deutschen Übersetzungen sehr hinderlich.

Drei Wege

Die Lehrer des geistlichen Lebens sprechen von drei Wegen, die der Mensch zur Vereinigung mit Gott gehen muß: dem Weg der Reinigung, dem Weg der Erleuchtung und dem Weg der Einigung. Entsprechend diesen drei Wegen können wir in groben Zügen den Aufbau der ganzen Messe deuten: Zunächst steht ganz und gar der Gedanke der Reinigung im Vordergrund, während die Lesungen hauptsächlich der Erleuchtung dienen. Höhepunkt der Messe ist die Wandlung und die sakramentale Vereinigung in der heiligen Kommunion. Diese drei Wege und damit auch die innere Gliederung der Messe finden wir vorgezeichnet im Psalm 42: Das „Judica me Deus...“ drückt den Wunsch nach Reinigung und Abgrenzung von der gottfremden Welt aus. Der „homo iniquus et dolosus“ ist der ‚alte‘ Mensch, der nach Erlösung ruft. Den Weg der Erleuchtung finden wir ausgedrückt in der Bitte: „Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, daß sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt.“ Das Ziel dieses Aufstieges ist die Einigung: „Dort darf ich zum Altare Gottes treten, zu Gott, der meine Jugend erfreut.“

Confiteor

Die Sehnsucht nach Reinigung tritt im Confiteor ganz stark hervor: „Die körperliche Haltung des Betenden stimmt überein mit dem Inhalt und dient dazu, die innere Bußgesinnung einerseits vollkommener auszudrücken, anderseits zu steigern und mächtiger anzuregen. Die tiefe Verbeugung des Körpers, das Falten der Hände und das Brustklopfen kennzeichnen die demütige Stellung und Stimmung eines armen Sünders, der schuldbeladen und zerknirscht vor Gott seinem Herrn und Richter steht, um Gnade und Barmherzigkeit zu erflehen. - Der Priester wagt nicht, die Augen zum Himmel zu erheben: tiefbeschämt und tiefgebeugt senkt er seinen Blick zur Erde.“ (Gihr, Das heilige Meßopfer, Freiburg 1902, S. 326)

Das Schlagen an die Brust deutet Romano Guardini: „Du hast vielleicht schon einmal auf alten Bildern Sankt Hieronymus in der Wüste knien sehen, wie er mit einem Stein in der Hand schütternd an die Brust schlägt. Es ist ein Schlag, kein zierliches Getue. Er soll wider die Pforten unserer inneren Welt fahren und sie durchschüttern (...) Das also bedeutet es, wenn der Mensch an seine Brust schlägt: er weckt sich auf. Er rüttelt die innere Welt wach, damit sie Gottes Ruf vernehme.“ (Romano Guardini, Von heiligen Zeichen, a.a.O. S. 23 f.)

Die Versikel

Das Stufengebet endet mit den in leicht gebeugter Haltung gesprochenen Versikeln. Der heilige Ignatius von Loyola fordert in seinen geistlichen Übungen dazu auf, jeweils vor den einzelnen Betrachtungen darum zu bitten, was wir als besondere Frucht begehren. Vielleicht dürfen wir die Versikel des Stufengebetes in einem ganz ähnlichen Sinn deuten: Als innige Bitte um das, was wir als besondere Frucht der Messe begehren: „Gott, wende Dich zu uns und gib uns neues Leben. - Dann wird Dein Volk in Dir sich freuen. Erzeige, Herr, uns Deine Huld. - Und schenke uns Dein Heil. Herr, erhöre mein Gebet. - Und laß mein Rufen zu Dir kommen.“

Der Aufstieg zum Altar

Während der Priester die Stufen zum Altar hinaufsteigt betet er still das „Aufer a nobis“: „Herr, wir bitten Dich: nimm unsere Sünden von uns weg und laß uns mit reiner Seele ins Allerheiligste eingehen.“ Diese Oration erinnert an den Tag der Kirchweihe, denn sie ist Bestandteil des Ritus der Konsekration einer Kirche. Sie zeugt von einer tiefen Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Ortes: Das Wort ‚Allerheiligstes‘ wird im Lateinischen noch viel eindringlicher ausgedrückt mit ‚Sancta sanctorum‘ - ‚das Heiligste der Heiligen‘. Vielleicht mag es uns gelingen, den Aufstieg, den der Priester äußerlich am Altar vollzieht, durch ein tieferes Eindringen in den Sinn der hei0ligen Riten auch in unserem Inneren mitzuvollziehen!

P. Martin Ramm

 

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